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Märchen
und andere Lügen.
Darf
man seinen Augen trauen? Wenn es nur darum geht sich im
dreidimensionalen Raum zu bewegen sind Augen hilfreich. Ein
tatsächliches Abbild der Umgebung sehen wir aber nicht. Unser
eigenes Gehirn filtert und zensiert was wir sehen. Nur ein kleiner Teil
der gesehen
Informationen erreicht das Bewusstsein und zeigt uns eine Welt, die es
nicht gibt. Wir leben in einem Traum.
Viele Jahre lang haben wir Fotografien als reales Abbild der
Wirklichkeit betrachtet. Ein Foto zeigte die Welt, die wir kennen.
Diese Wahrnehmung einer Fotografie für kreative Lügen
zu
nutzen ist Ziel meiner Montagen. Lange bevor Grafikprogramme vollkommen
neue Möglichkeiten der Bildfälschung und ein anderes
Verhältnis zum Wahrheitsgehalt von Fotos schufen, begann ich
mit
Schere und Kleister Märchenbilder zu schaffen. Die
Qualität
dieser Montagen ist natürlich nicht mit heutigen,
computergenerierten Bildern vergleichbar. Doch das Handwerk hat einen
eigenen Reiz, der sich hauptsächlich aus den
Beschränkungen
dieser Arbeitsweise ergibt. Die Grösse der Einzelteile
lässt
sich nicht ändern, die Segmente können
nicht
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gespiegelt
oder verzerrt werden. Man muss nehmen was man findet.
Meine Montagen entstehen nicht aus einer Idee heraus, sie entwickeln
sich aus den zur Verfügung stehenden Schnipseln. Obwohl ich
mit
dem Hintergrund eine Stimmung, ein Grundgefühl vorgebe, muss
ich
das Bild mit dem gestalten, was da ist. Zehn Ordner voll zerschnittener
Magazine geben mir zwar ein gewisses Maß an Auswahl. Doch
jede Wahl verkleinert die weiteren Möglichkeiten, gibt der
entstehenden Traumwelt eine Richtung, der ich folgen muss. Meine Bilder
wachsen in einem kreativen Prozess, von mir mehr beobachtet als
gesteuert. Ohne Absicht und Plan entstehen Chimären,
Endzeitvisionen und fantastische Landschaften. Ich bin nur das
Werkzeug, der Geburtshelfer.
An dieser Stelle will ich auch den Machern des GEO-Magazins danken.
Nicht nur die Fotos sind großartig, auch das Papier hat
hervorragende Qualität. Ihr habt mir meine Arbeit sehr
erleichtert.
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